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Projektmanagement in den “schweren Zeiten”

(Bild: neropercaso on Flickr)

Wie schon berichtet hatten wir die Möglichkeit an der Future of Web Apps 2008 (FOWA08) in London teilzunehmen. Unser ausführliches Twitter-Protokoll hat gezeigt, dass die Veranstaltung wieder einmal sehr eindrücklich war. Auf der FOWA08 präsentierten führenden Web-Unternehmen wie Google, AOL, DIGG oder FriendFeed Ihre Ausblicke für die Zukunft der Entwicklung von Web-Applikationen.

Ein Vortrag, der mich besonders beeindruckt hat, stand ganz im Zeichen der auch auf der Konferenz allgegenwärtigen Finanzkrise auf den Aktienmärkten. Tim Bray von Sun Microsystems referierte über das Thema “How to survive the rough times” und traf damit genau den Nerv des Publikums. Bray, der schon den Bubble-Burst 2001 miterlebt hat, gab sehr hilfreiche Tipps, wie sich Unternehmen und Entwickler in Zeiten der Finanzknappheit verhalten sollen. Das Thema Projektmanagement kam dabei auch öfters vor.

Eine Kernaussage des Vortrags war „Avoid waterfall projects“. Bray bezieht sich damit auf Projekte, die eine sehr lange Planungsphase benötigen. Er ist der Überzeugung, dass solche Projekte in Unternehmen keine Unterstützung mehr finden werden, da sie zu viel Kosten verschlingen ohne einen schnellen Output zu generieren. Die Lösung: Agile Projekte! Diese haben den Vorteil, dass sie schnell Ergebnisse produzieren und die Kosten so schneller und vor allem realistischer abschätzbar sind.

Dass mir das sehr gut gefallen hat ist sicher nichts ungewöhnliches. ZCOPE wurde ja entwickelt, um den agilen Projektmanagement-Ansatz zu unterstützen. Wichtig für mich war jedoch zu hören, dass agile Projekte einen klaren unternehmerischen Vorteil ermöglichen. Wenn eine führende, weltweit agierende Firma wie Sun eine solche Vorgehensweise unterstützt, muss schon etwas dran sein.

Ich möchte die Aussagen von Tim Bray sogar noch ein wenig weiter treiben. Denn ich bin der Meinung, dass in konjunkturschwachen Zeiten die klassischen Projektmanager nicht mehr gefragt sind. PM wird zur Notwendigkeit und muss vom gesamten Team mitgetragen werden. Das Projektmanagement wird zunehmend von Mitarbeitern übernommen, die hauptsächlich für andere Bereiche wie z.B. Produktentwicklung etc. verantwortlich sind. Der reine Projektmanager verschwindet.

Das mag jetzt etwas radikal klingen. Aber der agile PM-Ansatz hat sich gerade darum entwickelt, weil klassische Projektmanager mit dem ultra-schnellen Change-Management von Softwareprojekten nicht mehr mithalten konnten (man möge mir die Verallgemeinerung an dieser Stelle verzeihen).

Ich bin nicht ganz überzeugt, dass so ultimativ schlechte Zeiten vor der Türe stehen (ich bin Optimist von Natur aus; allerdings widerspricht mir die Realität). Und doch denke ich, dass sich agiles Projektmanagement in  allen Branchen durchsetzen wird. Bestimmt nicht für jeden Business-Fall, aber ganz bestimmt für all jene, die keine Flugzeuge bauen müssen.

ZCOPE Support am 14. Oktober 2008 - 12:54 Uhr

Agiles Projektmanagement

Nach längerer Zeit melde ich mich wieder mal mit einem kleinen Gastbeitrag in der ZCOPE Community.

Wie Sie wissen, basiert ZCOPE auf einem agilen Projektmanagement-Verständnis. Damit sind u.a. folgende Prinzipien verbunden:

  • Kommunikation und Interaktion stehen im Zentrum
  • Einfachheit und Pragmatismus statt Bürokratismus und blinder Methodengläubigkeit
  • soviel Planung und Dokumentation wie nötig, nicht soviel wie möglich
  • kontinuierliche Weiterentwicklung des Projekts und deren Inhalte (iteratives Vorgehen), kontinuierliche Änderungen
  • schnell funktionierende Lösungen erarbeiten

    Sind diese (agilen) Prinzipien nur in Softwareentwicklungsprojekten anwendbar? Nein. Ich meine, dass diese Prinzipien auf sehr viele Projektarten übertragbar sind. Entscheidend ist jeweils, dass Sie die richtige Mischung zwischen stabilen Rahmenbedingungen und agilem, flexiblen Vorgehen finden. Ich möchte dies am Beispiel eines Innovations- oder Produktentwicklungsprojekts kurz erläutern.

    A) Bei Innovationsprojekten macht es nach wie vor Sinn, sich an erprobte Stage-Gate-Modelle anzulehnen. Klare Milestones, klare Entscheidungskriterien, klare Prozesse.

    B) Eine Detaillierungsebene tiefer sind die verschiedenen Dimensionen des Projekts (häufig deckungsgleich mit den involvierten Fachabteilungen) zu planen, vergleichbar mit dem RUP-Vorgehensmodell (Rational Unified Process).

    Übertragen auf ein Innovationsprojekt könnte dies bedeuten, dass die Dimensionen Ideengenerierung, Businessplanung, Design, Konzeption & Spezifikation, Technik etc. über den gesamten Projektverlauf in unterschiedlichen Intensitäten vorkommen.

    C) Wiederum eine Ebene tiefer folgt nun das klassische agile, iterative Vorgehen, welches aus einem an den PM Prozess des Project Management Institute angelehnt sein könnte.

    Hier geht es darum, auf der operativen Ebene Inhalte, Ziele, Spezifikationen, Aufgaben, Kommunikationsimpulse etc. immer wieder zu initiieren, zu planen, umzusetzen, begleitend zu steuern und zu überwachen und schlussendlich abzuschließen.

    Diese Systematik lässt sich meines Erachtens auf Innovations- und Produktentwicklungsprojekte sehr gut umlegen. Denn gerade in der Kombination von traditionellen, stärker auf Stabilittät ausgerichteten Vorgehensmodellen und agilen Methoden, Prinzipien und Prozessen liegt die große Chance.

    Stefan Hagen
    PM-Blog.com

    stefanhagen am 25. August 2008 - 13:54 Uhr
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